Projekte
Making Worlds
16. März — 31. Dezember 2024

Angesichts der Verschärfung von strukturellen Ungleichheiten und gesellschaftlicher Fragmentierung aufgrund von geopolitischen Spannungen, der Klimakrise und ihrem Einfluss auf das globale Wirtschaftssystem scheint ein Paradigmenwechsel unserer Zivilisation unvermeidlich. Entscheidend für die Richtung und den Ausgang dieser Wende werden die Prinzipien, Methoden, das Wissen und die Epistemologien, die bei diesem Übergang zum Einsatz kommen. An diesen Schnittstellen zwischen mehreren Welten, die in Spannung zueinander geraten, erforscht die Kunst unserer Zeit mehr denn je das Schaffen von Brücken, Verbindungen, Synthesen und Ideen, die über den ästhetischen Bereich hinausreichen, ein Gegengewicht zur Katastrophe bilden und aktiv zum Aufbau einer Zukunft für alle beitragen.
 
„Making Worlds“ umfasst eine Workshop-Reihe, angeleitet von KünstlerInnen die mit dem Künstlerdorf Schöppingen verbunden sind, sowie eine Summer School, die auf Prinzipien eines ganzheitlichen und relationalen Lernens aufbaut. Sie bieten Raum für Erfahrung, Empathie, Dialog und Experimente zu Konzepten wie Wissensbildung durch Beziehungen zwischen den Arten, Wandel durch Spannungen, Inklusion, Spiritualität oder dem spielerischen Umgang mit Technologien.
 
Während der acht Wochenend-Workshops im Zeitraum April bis November 2024 wird nicht nur informatives Wissen vermittelt, sondern es werden darüber hinaus Austausch und Ko-Kreation gefördert. Die Workshops bieten einen vertieften Einblick in die jeweilige künstlerische Arbeit, ihre epistemologische Vielfalt und den transformativen Charakter ihrer Praxis jenseits der symbolischen Dimension.
 
Die Summer School, vom 7.-14. Juli 2024, bietet einen Rahmen in dem diese Positionen und weitere Perspektiven mit einer Gruppe von ExpertInnen aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Bildung ausgetauscht und diskutiert werden. Ziel ist es, Erkenntnisse zur Übertragbarkeit auf den breiteren öffentlichen Bereich, die Wissenschaft und das Bildungswesen zu gewinnen und gemeinsam zu überlegen, wie Überschneidungen oder Praktiken geschaffen werden können, die zu einer Erweiterung von Wissensbildung führen. Den Abschluss der Summer School bildet ein öffentliches Wochenendprogramm mit einer Gruppenausstellung, gemeinsamen Aktivitäten, Vorträgen und einem moderierten Gespräch (Teilnahme per Zoom möglich).
 
Der Begriff „worldmaking“ bezieht sich auf verschiedene Auffassungen von „Welt“ und Praktiken der „Welterzeugung“ und nimmt sozial engagierte künstlerische Praktiken in den Fokus, die partizipatorische Elemente enthalten und über den ästhetischen Bereich hinaus in gesellschaftliche Kontexte reichen. Sie stellen Möglichkeiten dar, die Realität gemäß dem zu beeinflussen, was die feministische Philosophin Donna Haraway als „Politik der Affinität“ definiert hat – ein pädagogisches Modell, das auf bewusster Beteiligung und der Wahl gemeinsamer Strategien beruht*. Das Konzept stützt sich außerdem auf die praxisorientierte Forschung der Künstlerin, Kuratorin und Autorin Berit Fischer, die eine neue Perspektive in das Feld der zeitgenössischen post-repräsentativen Kuration einbringt und untersucht, wie das Kuratorische Räume und Bedingungen für eine mikropolitische und ganzheitliche Herstellung von sozialer Empathie aktivieren kann.**

 
„Making Worlds“ ist eine Kooperation der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, dem Zentrum für interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung (ZIN) der Universität Münster und dem aktuellen forum VHS Ahaus, Stadtlohn, Vreden, Heek, Legden, Schöppingen, Südlohn. Während das Künstlerdorf das Programm zusammenstellt (kuratiert von Julia Haarmann und Camilo Pachón), koordiniert das ZIN eine wissenschaftliche Begleitforschung und eine Diskussion, die den nachhaltigen Transfer in die breite Öffentlichkeit untersucht. Hier setzt auch die VHS an, die sich im Rahmen der Erwachsenenbildung mit der Frage befasst, wie wir Wissen verinnerlichen und reproduzieren.
 

 

*Silvia Franceschini, Zones of Affinity, in: The Politics of Affinity. Experiments in Art, Education and the Social Sphere. Edited by Silvia Franceschini, Hrsg. Cittadellarte – Fondazione Pistoletto, S. 41.
**Berit Fischer, Towards a Micropolitical and Holistic Post-Representational Practice: A Case Study, University of Southhampton, 2023.

20. April, 10-18 Uhr / 21. April, 12-16 Uhr
 

Sara Alvarado ist eine kolumbianische Künstlerin und kreative Forscherin, die nach einem Master-Abschluss in interkulturellem Konfliktmanagement in Berlin und einem Bachelor-Abschluss in Bildender Kunst in Bogotá ein tiefes Verständnis für die Schnittmenge zwischen Kunst und Gesellschaft entwickelt hat. Ihr Interesse an Kultur und deren ständiger Transformation, durch Veränderungen von Raum und Territorium in Kontexten interkultureller und sozialer Konflikte, nährt ihre Arbeit. Ihr Ansatz konzentriert sich auf die Anwendung verschiedener künstlerischer Praktiken als Forschungsmethoden. Diese Vorgehensweise ermöglicht die Analyse und Lösung von Konflikten. Für Alvarados Bestreben, zu verstehen wie soziale und interkulturelle Konflikte Kultur und Gesellschaft beeinflussen, wird die Kunst zu einem Instrument der Untersuchung.
Ausgehend von den Interaktionen zwischen der lokalen Gemeinschaft in Schöppingen und den temporären internationalen Gemeinschaften der StipendiatInnen, die mit dem Künstlerdorf verbunden sind, werden wir mögliche Spannungen und Konflikte erörtern und uns dabei auf potenzielle Chancen konzentrieren. Die Galerie des Künstlerdorfs wird sich in ein praktisches Denklabor für das Projekt verwandeln.

19. Mai, 10-18 Uhr / 20. Mai, 12-16 Uhr
 

Mayra Citlalli Rojo Gómez ist eine mexikanische Künstlerin und interdisziplinäre Forscherin im Bereich bildende Kunst und Körperdiskurse. Gómez hält einen Doktortitel in Kunstgeschichte und forschte als Postdoktorandin zu Biomaterialien. Sie arbeitet mit kritischen Assoziationen zwischen Symbiose, Evolutions-Teratologie und fließenden Identitäten, die die Grenzen zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen im pflanzlichen und bakteriellen Universum hinterfragen.
Monster wachsen in den Zwischenräumen der Transformation. Ihre Erscheinungsformen beschwören die Rebellion der Symbole und die Erfahrung des Unmöglichen. Sie zu imaginieren ist der unerwartete und widersprüchliche Akt der Abweichung. Es gibt keine Utopie, die mächtiger ist als die Umwandlung alltäglicher Praktiken. Während dieses Workshops werden wir drei Pilzkulturen in Büchern ansetzen, um Ideen über die Beziehungen zwischen den Arten, die Auflösung des Buches als Paradigma des wissenschaftlichen Wissens und des Humanismus zu beobachten, zu diskutieren und zu dokumentieren.

15. Juni, 10-18 Uhr / 16. Juni, 12-18 Uhr
 

Escuela de Garaje entstand 2013 in Bogotá als informelles Programm ohne klar wiedererkennbare oder dauerhafte Infrastruktur; stattdessen besteht sie aus sehr wenig, wobei die „Schulen“ in direktem Bezug auf einen bestimmten Ort, ein bestimmtes Thema oder einen oder mehrere GastgeberInnen entstehen. Die Escuela ist an Wissen und Werkzeugen interessiert, die als irrelevant, minderwertig oder ohne offizielle Anerkennung gelten. Ihr allgemeines Ziel ist das kollektive Verlernen, es ist frei und kostenlos. Gegenwärtig fungiert die Escuela als diasporischer Knotenpunkt für kulturelle Projekte. Sie arbeitet in Kontexten, in denen ihre OrganisatorInnen ausdrücklich nicht heimisch sind, und konzentriert sich derzeit auf die Zusammenarbeit mit Gemeinschaftsküchen, die „Übersetzung“ dekolonialer Theorien und Gartenarbeit als Mittel der Zusammenkunft und des Lernens. Die Escuela funktioniert als ein Projekt der relationalen Anarchie; es gibt keine offiziellen Mitglieder, und die Escuelas können von jeder und jedem einberufen werden, die bereits an einer teilgenommen haben. Die aktuelle Form wird von Mariana Murcia (Bogotá, Stier-Erde-Drache) und Santiago Pinyol (Bogotá, Schütze-Wasser-Hund) geleitet.
Der Workshop dieser (un-)disziplinären Schule umfasst eine praktische Erkundung der engen Beziehung zwischen Menschen und Mikrokulturen von Bakterien und konzentriert sich dabei auf die biopolitische Dimension der Fermentation und die durch sie ermöglichten Transformationen. Durch praktische Experimente mit verschiedenen Techniken und Zutaten beschäftigt sich die Escuela mit den verflochtenen Erfahrungen der Fermentierung in Erzählungen von Lebensmitteln, Migration und Kolonialismus. In diesem Kontext wird das Fermentieren als ein Mittel zur Manifestation von Kultur durch das Freilegen von Metaphern und zur Enthüllung alternativer und symbiotischer Geschichten von dem, was ist, was noch sein könnte und was gewesen sein könnte, betrachtet. Verarbeitete Lebensmittel, verschmutzte Stadtluft und gechlortes Leitungswasser bilden die Grundlage für die transformative Techno-Alchemie der Fermentationsrituale.

20. Juli, 10-18 Uhr / 21. Juli, 12-16 Uhr
 

Polly Brannan ist Künstlerin, Kuratorin und Pädagogin. Sie engagiert sich für die Produktion von Kunst im öffentlichen Raum, soziale Praxis, Strategien und Programme in Zusammenarbeit mit KünstlerInnen und Gemeinschaften, um gemeinsam mit ihnen neue Werke für die Städte und Orte zu schaffen, in denen wir leben. Sie ist inspiriert von nutzergesteuertem Design und den Methoden des spielerischen Lernens. Seit Anfang 2021 ist sie künstlerische Leiterin der Open School East in Margate, UK, einer freien, unabhängigen Kunstschule und Gemeinschaftseinrichtung. Sie war Bildungskuratorin der Liverpool Biennale 2012-18 und Bildungskuratorin der Serpentine Galleries 2011-13. Sie ist Gründerin und Künstlerin des Netzwerks Avant Gardening und war Mitglied des Kunst- und Architekturkollektivs public works, 2005-2011. Sie hat international Aufträge und Projekte kuratiert, durchgeführt und produziert, darunter: Triangle Network Fellowship, Äthiopien; Istanbul Biennale 2017, Türkei und Kochi-Muziris Biennale, Indien 2018.
Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage: „Wie können wir als KünstlerInnen, AuftraggeberInnen und KuratorInnen integrative Ansätze für die Arbeit in öffentlichen Räumen und Gemeinden miteinander verbinden und einbetten? Polly wird Fallstudien zu sozialen Praktiken und Erfahrungen, Toolkits, Mapping, Zine-Making und die Konzeption von Ideen und Entwürfen vorstellen.

17. August, 10-18 Uhr / 18. August, 12-16 Uhr
 

Tizintizwa (Soumeya Ait Ahmed und Nadir Bouhmouch) ist ein multidisziplinäres Kunst- und Forschungskollektiv in Marrakesch. Ihre Praxis basiert auf der Zusammenarbeit mit anderen, auf der Suche nach Konsonanz in der Differenz und dem Eintreten für Heterogenität in Natur und Kultur. Ihre Zusammenarbeit beruht auf dem Gefühl der Dringlichkeit angesichts der raschen Erosion angestammter, künstlerischer, sozialer und ökologischer Praktiken und Kenntnisse. Ihre Arbeit befasst sich damit, wie ländliche Kunstformen oft in die Kategorie der Folklore verbannt wurden, was ihre Wahrnehmung verzerrt und ihre Anerkennung als zeitgenössische Kunstformen in Frage stellt. In der Arbeit wird beispielsweise untersucht, wie der Rückgang der biologischen Vielfalt häufig zu einer abnehmenden Vielfalt der kulturellen Produktion und des kulturellen Ausdrucks führt. Diese „Monokulturalisierung“ der Natur spiegelt sich in der Kultur, da eine ehemals große Vielfalt an poetischen Genres einer homogenen Kulturlandschaft weicht. Diese „Verflachung“ der Kultur habe zu einer Situation geführt, in der die Kunst zunehmend vom natürlichen Ökosystem abgekoppelt sei.
In diesem Workshop werden wir diese Art von Fragen mit der lokalen Gemeinschaft untersuchen, indem wir die Menschen einladen, über traditionelle Kunstformen und das in ihnen gespeicherte Wissen nachzudenken, das Fernsehen und Mainstream-Kunstformen nicht vermitteln können.

14. September, 10-18 Uhr / 15. September, 12-16 Uhr
 

Marei Loellmann ist Künstlerin und Mitglied in verschiedenen interdisziplinären Kollektiven. Als Solokünstlerin entwickelt sie textile Arbeiten aus Asche, Beton und Textilien, die die Eigenschaften der verwendeten Materialien und die mit ihnen verbundenen gesellschaftlich bedingten Assoziationen hinterfragen und erweitern. In ihrer kollektiven Praxis widmet sie sich kollaborativen Prozessen der Wissensgenerierung, die auf gelebten Erfahrungen beruhen, Partizipation schaffen und bewusst vielstimmige Erzählungen zulassen. Die oft ortsspezifischen, kollaborativen Arbeiten mit Textilien, Klang, Sprache und Raum schaffen Situationen für Gespräche, kollektives Denken und Rituale, die ländliche und städtische, lokale und internationale Kontexte miteinander verweben.
Während des Workshops werden wir das Weben als einen Raum für Gespräche erkunden und der Frage nachgehen, wie diese Tätigkeit – als Handwerk und als künstlerisches Medium – einen Rahmen für dialogische Arbeitsmethoden bieten kann. Ausgangspunkt sind zwei Ansätze, die miteinander verknüpft werden sollen: zum einen das Konzept der Intraaktion (im Gegensatz zur Interaktion und in Anlehnung an Karen Barad) und zum anderen die Praxis des „deep listenings“ (in Anlehnung an die Komponistin Pauline Oliveros), die dazu einlädt aktiv in die Klänge des täglichen Lebens hineinzuhören statt sie auszublenden. Beide Ansätze eröffnen Perspektiven, den Raum zwischen bzw. innerhalb von Körpern als einen aktiven Prozess und wechselseitige Beziehung zu erleben.

19. Oktober, 10-18 Uhr / 20. Oktober, 12-16 Uhr
 

Franziska Winkler ist eine Künstlerin und Kuratorin, die sich auf transmediale literarische Übersetzungen und deren Grenzüberschreitungen konzentriert. Dabei versucht sie, dem Text mehr Bewegungsfreiheit zu geben, indem sie die Gebärdensprachpoesie erforscht und diesem literarischen Genre mehr Sichtbarkeit verleiht. Ihr literarisches Werk bewegt sich daher zwischen mehreren Sprachwelten, der transmedialen Literaturübersetzung und deren Grenzüberschreitung sowie ihren eigenen Textformen, die zwar Schriftsprache sind, aber immer auch die Gebärdensprache, die als Tochter gehörloser Eltern auch ihre Erstsprache ist, mit einbeziehen.
2017 gründete sie gemeinsam mit Katharina Mevissen die Literaturinitiative „handverlesen“, deren künstlerische Projektleitung sie seither innehat. Handverlesen nimmt die Literatur selbst in die Hand und übersetzt, vermittelt und verbreitet Literatur in Deutscher Gebärdensprache und setzt damit Texte in Bewegung. Dabei hinterfragt sie den Literaturbegriff und entwickelt durch die Einbeziehung von Gebärdensprachpoesie eine neue Definition, in der der Text verkörpert wird und neue Dimensionen schafft.

16. November, 10-18 Uhr / 17. November, 12-16 Uhr
 

Sam Hopkins‘ künstlerische Praxis beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Narrative und Wahrheiten durch verschiedene Medien kodiert und produziert werden. Seine Arbeit ist in Kenia verwurzelt und setzt sich mit spezifischen Netzwerken auseinander, um autoritative Erzählungen von Macht kollektiv zu durchbrechen. Er erforscht verschiedene Möglichkeiten der Koproduktion von Kunstwerken als Gegennarrative, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Galerie/des Museums gelesen werden können. Hopkins hat an verschiedenen Biennalen teilgenommen, in einer Vielzahl von Museen und Galerien ausgestellt und seine Arbeiten sind in einer Reihe von öffentlichen Kunstsammlungen vertreten. Derzeit arbeitet er als Assistenzprofessor an der Kunsthochschule für Medien in Köln und entwickelt seine Forschung in Nairobi weiter.
Im Workshop „Digital Bazes“ werden wir uns mit der transformativen Kraft des Austauschs digitaler Informationen in persönlichen, zwischenmenschlichen Kontexten beschäftigen. Gemeinsam werden wir die radikalen Möglichkeiten untersuchen, die sich ergeben, wenn wir der menschlichen Verbindung und Zusammenarbeit Vorrang vor der digitalen Isolation einräumen. Die Teilnehmenden werden durch praktische Aktivitäten und Diskussionen Auswirkungen dieses Ansatzes auf Konstellationen von Gemeinschaften, Kreativität und sozialen Wandel erkunden.

Mit:
Fatin Abbas, Sara Alvarado, Atefe Asadi, Yana Bachynska, Polly Brannan, Federico Cuatacuatl, Berit Fischer, Escuela de Garaje (Mariana Murcia / Santiago Pinyol), Amauta García and Davida Camargo, Julia Haarmann, Francisca Jiménez, Marei Loellmann, Julius Metzger, Camilo Pachón, Lea Spahn, Cornelia Steinhäuser, Nikolaus Schneider und Tizintizwa (Soumeya Ait Ahmed/ Nadir Bouhmouch)

ÖFFENTLICHE KEYNOTE- VORTRÄGE (ONLINE):
(Links zur Zoom-Anmeldung folgen)
 
Nikolaus Schneider und Lea Spahn im Gespräch: Lernen als Beziehungsgeschehen
Montag, 8. Juli, 15-16 Uhr
 
Berit Fischer: Micropolitical Ecopedagogies
Mittwoch, 10. Juli, 15-16 Uhr
 
Polly Brannan: Learnings from social practice – Approaches from the Collective, Grassroots, Institution and Educational settings
Donnerstag, 11. Juli, 15-16 Uhr

ÖFFENTLICHES PROGRAMM (VOR ORT):
 
Samstag, 13. Juli:
 
Making Worlds, Gruppenausstellung, geöffnet 10-22 Uhr
 
Polly Brannan: Making work with and for communities – Arts Practice approaches within civic and community settings, 10-12 Uhr
 
Picknick, 12-14 Uhr
 
Ein „Making Worlds“ Gespräch, moderiert von Julia Haarmann, 15-16:30 Uhr
 
Barbecue, ab 18 Uhr
 
Sonntag, 14. Juli:
 
Cornelia Steinhäuser „Making Maps – Making Worlds“, 10-12 Uhr
 
Making Worlds, Gruppenausstellung, geöffnet 10-18 Uhr und Führung, 14-15 Uhr
 
Picknick, 12-17 Uhr

Berit Fischer ist Künstlerin, Kuratorin, Wissenschaftlerin, Autorin und Redakteurin und lebt in Berlin. Ihre Forschungsinteressen umfassen bürgerschaftliches Engagement, verkörperte Praktiken und Zuhören, feministische und ökologische Pädagogik, kritische räumliche Praktiken und eine ganzheitliche und erfahrungsbasierte Wissensproduktion. Ihre Praxis entfaltet sich oft in Formen der affektiven Begegnung und des relationalen (Um-)Lernens, die danach streben, Handlungsfähigkeit und eine aktive Mikropolitik, Handlungsfelder und Räume für kritische und ökologische Bewusstseinsbildung zu aktivieren. Sie strebt ein Engagement an, das Aktionen der Fürsorge, der Regeneration und der Entkolonialisierung von kapitalistischen Logiken hin zu einem reaktionsfähigen Sein mit der Welt mobilisiert.
2023 veröffentlichte sie die praxisbasierte Forschung Towards a Micropolitical and Holistic Post-Representational Practice: A Case Study. Sie bietet eine neue Perspektive auf das Feld der zeitgenössischen postrepräsentativen Praxis mit dem spezifischen Blickwinkel, zu untersuchen, wie das Kuratorische Räume und Bedingungen für eine mikropolitische und ganzheitliche Herstellung von Empathie aktivieren kann. Sie erforscht diese Forschung durch ihre sozio-ökologischen Praxisrahmen wie das nomadische Radical Empathy Lab oder das Festival (Re-)Gaining Ecological Futures.
 
 

Nikolaus Schneider ist seit 2009 Leiter des aktuellen forum Volkshochschule in Ahaus und Umgebung. Er studierte Literatur- und Musikwissenschaft in Würzburg und Tübingen und promovierte mit einer Arbeit über die akustischen Qualitäten von Lyrik im 18. Jahrhundert. Er interessiert sich für Transformation durch Bildung und Transformationsprozesse der Bildung, aktuell insbesondere im Projekt Runder Tisch Nachhaltigkeit Ahaus.
 
Lea Maria Spahn versteht sich als Forschende und Performancekünstlerin in feministischer Haltung. Sie erkundet die Schnittflächen zwischen Kunst und Bildung in Bewegung und interessiert sich für generationsübergreifende künstlerische Formate, KörperBiographien und kulturelle Bildung in ländlichen Räumen. Zurzeit forscht sie in dem EU-Horizon-Projekt „Transforming Education for Democracy through Aesthetic and Embodied Learning, Responsive Pedagogies and Democracy-as-becoming“ (AECED) und ist Modulverantwortliche im Weiterbildungsmaster „Kulturelle Bildung an
Schulen“ an der Philipps Universität Marburg.
 
Wie lernen wir? Mediengestützt oder in sozialen Interaktionen? In definierten Lerngruppen oder in informellen Kontexten? Wir diskutieren über gelingende Lernprozesse und ihre Voraussetzungen. Wie sind sie verortet in den Spannungsfeldern zwischen Standardisierung und Selbstorganisation, Kontrolle und Mitgestaltung, Reglementierung und Zusammenarbeit? Alternative Lerntheorien, die es seit langem gibt, setzen auf die Wirksamkeit von Beziehungsgeschehen und kollektivem Lernen.
 
 

Polly Brannan ist Künstlerin, Kuratorin und Pädagogin (siehe Workshop für biografische Notiz).
In diesem Vortrag wird sie sich auf die Frage konzentrieren: Was sind die Erkenntnisse, Methoden und Ansätze der sozialen Praxis? Aus ihrer Perspektive als Künstlerin dieses Feldes wird sie eine Reihe von Fallstudien vorstellen, in denen sie untersucht, wie dies ihre Arbeit in den folgenden Bereichen geprägt hat und wie diese immer eine Erweiterung ihrer eigenen Praxis und ihres Ansatzes als Künstlerin ist;
. The Independent, Collective and Grassroots: Austausch über individuelle und kollektive Praktiken, einschließlich ihrer Arbeit mit dem von ihr mitgegründeten Basis-Kunst- und Umweltkollektiv Avant Gardening und ihrer Arbeit als künstlerisches Mitglied des Kunst- und Architekturkollektivs Public Works.
. The Arts Institution: Erkundung, wie sie als Kuratorin in der Institution und als Teil eines integrativen Teamansatzes ihre Arbeit im Bereich der sozialen Praxis in ihre kuratorische Tätigkeit einbettet und Strategien für eine gemeinschafts- und künstlerInnengeleitete Auftragsvergabe entwickelt.
. The Art School and Educational Setting: Sie berichtet über ihre jüngste Arbeit als künstlerische Leiterin der Open School East, einer freien, alternativen Kunstschule in Margate, UK. Polly wird über ihre Arbeit an der Entwicklung von Ansätzen für die Ausbildung, den Unterricht und die Erforschung sozialer Praktiken innerhalb des Kunstschulumfeldes sowie die Entwicklung eines neuen zweijährigen Modellansatzes „Building an Art School for the Future“ berichten. Dieser befasst sich mit der Entwicklung eines Lehrplans der Schule mit tiefgreifenden, eingebetteten Ansätzen für die Arbeit in zivilen und kommunalen Umgebungen und mit der lokalen Gemeinschaft, KunststudentInnen, Alumni und eingeladenen Gästen.
 
 

Cornelia Steinhäuser ist Forscherin und Dozentin am Institut für Landschaftsökologie und Mitglied des Zentrums für interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung (ZIN) der Universität Münster. Sie hat den Transformationsprozess des Künstlerdorfs in den letzten zwei Jahren sowohl beobachtet als auch aktiv begleitet. Im Rahmen dieser kontinuierlichen Zusammenarbeit hat sie sich mit den StipendiatInnen und ihren künstlerischen Praktiken sowie mit den BürgerInnen und der Landschaft von Schöppingen auseinandergesetzt und sich dabei auf die mehrdimensionalen Aspekte der Mensch-Umwelt-Beziehungen an Garten- und Wasserorten konzentriert. Sie betont die gemeinschaftsbildenden Potentiale durch (soziale) Permakultur und die vielfältigen Bedeutungen von Wasser in verschiedenen Kulturen. Zusammen mit einer Gruppe von Studierenden hat sie das Projekt „Making Maps – Making Worlds“ entwickelt, das während der Summer School vorgestellt wird. Diese Story Map soll auch verschiedene Formen des Wissens und der Wahrnehmung über Wasser und Wasserorte aus der Perspektive der verschiedenen Personen, die auf der Karte zu Wort kommen, integrieren und die Darstellung ihrer Erfahrungen durch die Story Map kritisch diskutieren.

In Kooperation mit:

Mit freundlicher Unterstützung von: