Maja Gratzfeld*
Photo: Camilo Pachón

Maja Gratzfeld ist eine bildende Künstlerin, die sich mit perspektivenbasierten Praktiken, textilen Verfahren und skulpturalen Formen beschäftigt. Ihre Arbeit beginnt dort, wo Zeit eher vielschichtig als linear empfunden wird – geprägt von Erinnerung, stillen Ritualen und der sensorischen Intelligenz von Materialien. Fotografie, Textilhandwerk, Ton und Archivfragmente bilden den Kern ihrer Arbeit, in der sie untersucht, wie Identität, Erbe und kulturelles Gedächtnis nicht nur durch Worte, sondern auch durch Berührung, Gestik und verkörperte Präsenz weitergegeben werden. Sie studierte Bildende Kunst an der HfBK Dresden, der École supérieure des beaux-arts de Nîmes und der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem. 2014 wurde ihr der Titel einer Meisterschülerin an der HfBK Dresden verliehen. Derzeit arbeitet sie als Dozentin für Kritische Kunstpädagogik und Diversität an der Katholischen Fachhochschule NRW in Paderborn. Da sie zwischen Sprachen, Geografien und Kontexten lebt, beschäftigt sich ihre Arbeit oft mit dem Fragilen, Ungelösten oder Unausgesprochenen. Wiederholungen und intime, taktile Gesten – Falten, Färben, Nähen, Reißen – prägen den Rhythmus ihres Schaffens. Anstatt nach einer Lösung zu suchen, schafft sie Räume, in denen Schönheit und Bruch still nebeneinander existieren können.

„In meiner Praxis ist noch nie etwas aus einer Dringlichkeit heraus entstanden. Alles beginnt langsam – mit einer Pause, einer Erinnerung, einem Material, das eine Weile unberührt geblieben ist. Ich habe mich beim Künstler*dorf beworben, weil ich mich wieder nach diesem Tempo sehne: einem Ort, an dem sich die Arbeit durch Intuition und Kontinuität entfaltet, nicht durch Druck. Ein ruhiger Rhythmus, in dem Denken zu Schaffen wird. Die Rückkehr nach Deutschland im Herbst fühlt sich wie eine stille Heimkehr an – zu der Jahreszeit, in der ich mich am meisten verwurzelt fühle, und zu Landschaften, die meine Sicht- und Empfindungsweise geprägt haben. In Schöppingen hoffe ich, diesem inneren Drang zu folgen – mich vom sanften Licht, dem Land und der Atmosphäre zu neuen Formen und Gesten führen zu lassen. Während meiner Zeit hier werde ich weiter an drei bevorstehenden Ausstellungen arbeiten. Ich möchte mich intensiver mit Weben, Färben mit natürlichen Pigmenten, Patchwork und anderen handwerklichen Verfahren beschäftigen – nicht als Techniken, sondern als taktile Denkweisen. Mich interessiert, wie Langsamkeit, Wiederholung und die körperliche Arbeit des Schaffens Erinnerung, Präsenz und Transformation transportieren können. Was Schöppingen wirklich besonders macht, ist seine lebendige Künstler*innengemeinschaft und der authentische Dialog, der hier stattfindet – ein kostbares Geschenk, insbesondere nach der Isolation der letzten Jahre. Dieses Umfeld der gegenseitigen Unterstützung und des kreativen Austauschs bereichert meine Arbeit auf eine Weise, die ich sehr schätze. Für mich ist diese Residenz keine Pause vom Leben, sondern eine Rückkehr zu seinem tieferen Rhythmus – einer, den ich gerne mit dieser einzigartigen Gemeinschaft teilen möchte.“

Stipendiat:innen