„Zwei Dinge haben mein Leben und Schreiben am meisten bestimmt: Ich bin in der DDR geboren und in der BRD aufgewachsen, zum anderen lebte ich teils in der Stadt – als Flüchtlingskind –, zum großen Teil aber auf dem Land – als Bauernkind. Sowohl Enteignung, Flucht, Vertreibung bzw. Emigration als auch Stadt und Land sind zu meinen Themen geworden. Dreizehn Jahre in London probierte ich noch einmal das Fremdsein aus, als Erwachsene. Ich schrieb über Ortswechsel und Klassenzugehörigkeiten – immer aus dem Beteiligt- und Getroffensein von Geschichte.

Mein Projekt eines Buches zum Thema des Reisens (Arbeitstitel „Mitten in der Heide ein Baum – Landschaften des Abreisens und der Verwurzelung“), das sich vordergründig mit dem Flughafen Heathrow (London) beschäftigen wird, konnte ich beginnen, konzeptionell erweitern und differenzieren.

In ersten lyrisch-essayistischen Texten konnte ich das Fliegen, die bäuerlich-kindlich erlebte Kälberwiese, die Flucht meiner Eltern aus der DDR (1953) und die Reise von Karl Phillip Moritz in England (1782) zusammenspannen. Evtl. kann ich sogar das grandiose Altarbild des Meisters von Schöppingen (wirkte zw. 1450-1470 in Münster) aus der St. Brictius-Kirche mit einbeziehen – eine echte Überraschung, die der Ort für mich bereithielt – und in ein Tableau vom Reisen, Fliehen und Fliegen mit einweben.“

Stipendiat:innen