
„Modes of Access“ (Zugangsformen) legen fest, wer Zugang zu Ressourcen – Daten, Räumen, Systemen – erhält. In der Informatik ist dies eine technische Frage. In Gesellschaft und Kultur ist es eine politische Frage: Wer hat Zugang? Unter welchen Bedingungen? Wer legt die Regeln für die Teilhabe fest? Und wie kann der digitale Raum diese Barrieren abbauen und den Ausgeschlossenen Zugang verschaffen?
Im Sinne der „Disability Justice“ (Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung) betrachten wir Barrierefreiheit nicht als rechtliche Verpflichtung, sondern als gemeinsame Verantwortung, und Behinderung nicht als individuelles Defizit, sondern als Folge von Systemen, die bestimmte Körper, Zeitkonzepte und Lebensweisen als Norm festlegen. Darüber hinaus sehen wir Residenzen als Zeit zum Arbeiten, aber auch zum Ausruhen und zum Knüpfen von Kontakten.
In digitalen Residenzen werden diese Ausgrenzungen nicht automatisch beseitigt; sie bestehen in anderer Form fort: in Plattformarchitekturen, bei denen Barrierefreiheit erst nachträglich hinzugefügt wird, anstatt von Beginn an integriert zu sein, und in Arbeitsstrukturen, die Produktivität anhand eines einzigen Rhythmus messen.
„Crip Time“ (Pausenzeit) beschreibt die Erfahrung, dass Zeit für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen anders verläuft – geprägt von wechselnden Rhythmen, Ermüdungsphasen und sich wandelnden Bedürfnissen. Im Rahmen von „Modes of Access“ verstehen wir die Programmstruktur als ein Labor, um diese Zeitlichkeit strukturell zu erkennen, und fördern gegenseitige Abhängigkeit durch flexible Formate und Teilnahmemöglichkeiten. Dahinter steht die Überzeugung, dass der Zugang zur Kultur nicht standardisiert, sondern vielfältig gestaltet werden muss.
Für das Programm suchen wir vier Künstler*innen, deren künstlerische Praxis sich mit Fragen der Barrierefreiheit, der Partizipation und der Kritik an Machtverhältnissen in und durch digitale Medien sowie mit dem Zugang als Methodik auseinandersetzt. Besonders willkommen sind Perspektiven, die antiableistische, postkoloniale und intersektionale Ansätze in den Mittelpunkt stellen.
Das Künstler*dorf Schöppingen und das kaethe:k Kunsthaus bieten vier digitale Residenzen an. Das Programm findet auf Englisch und vollständig digital statt, so dass das Arbeiten vom eigenen Standort aus möglich ist. Der thematische Schwerpunkt liegt auf „Modes of Access“ als technologischen und politischen Mitteln des Zugangs zu Ressourcen. Wir laden Medienkünstler*innen ein, deren Praxis sich mit Zugang als politischer und künstlerischer Methodik auseinandersetzt und die untersuchen, wie digitale Räume Partizipation vervielfachen statt vereinheitlichen können.
Die Residenz richtet sich an alle, die mit Technologie und Medien (wie Video, Ton, Computern, dem Internet oder Software) arbeiten und/oder deren künstlerische Praxis sich mit der Frage auseinandersetzt, wie Technologie unser Leben prägt.
Wir ermutigen insbesondere chronisch kranke, behinderte und/oder neurodiverse Künstler*innen sowie solche, die mit anderen Reiseeinschränkungen wie Visabeschränkungen oder Fürsorgepflichten konfrontiert sind, sich zu bewerben. Das digitale Format ist eine direkte Reaktion auf die strukturellen Ausgrenzungen, die viele Künstler*innen daran hindern, an Residenzprogrammen oder am kulturellen Leben im Allgemeinen teilzunehmen.
WER KANN SICH BEWERBEN?
Diese Ausschreibung richtet sich an professionelle Künstler*innen und Kollektive, die mit digitalen Medien und Technologien (wie Video, Ton, Computern, dem Internet oder Software) arbeiten. Voraussetzung ist, dass die Stipendiat*innen mehr als 1.500 km von Schöppingen (Deutschland) entfernt wohnen und nicht reisen können, sei es aufgrund eingeschränkter Mobilität, einer Behinderung, einer chronischen Erkrankung, Betreuungsaufgaben, Visabeschränkungen oder einer sonstigen Abhängigkeit von lokalen Unterstützungsnetzwerken.
Wir begrüßen insbesondere Bewerbungen von Personen, die mit sich überschneidenden Formen der Marginalisierung konfrontiert sind. Auch Gruppenbewerbungen sind möglich. Bei Fragen zu einer Gruppenbewerbung, schreibt uns gerne an.
WAS WIR ANBIETEN
Finanzielle Unterstützung
Jeder Aufenthalt – ob individuell oder als Gruppe – umfasst:
• 2.500 € Honorar
• 500 € Materialbudget
• zusätzliche Zugangsunterstützung
UNTERSTÜTZUNG UND MENTORING
Die vier teilnehmenden Künstler*innen werden während ihres Aufenthalts von einem Team des Künstler*dorf Schöppingen, des kaethe:k Kunsthaus, der kuratorischen Leiterin Paulina Seyfried sowie von Agustina Andreoletti als Mentorin für digitale Kulturen begleitet. Die Künstler*innen werden in das Alumni-Netzwerk des Künstler*dorf aufgenommen, erhalten Zugang zu medienorientierten Kunstorganisationen in ganz Nordrhein-Westfalen und können an verschiedenen Formaten und Netzwerkveranstaltungen mitwirken.
DOKUMENTATION
Die Arbeiten der Künstler*innen werden auf einer Open-Source-Plattform veröffentlicht, die auch nach Ablauf des Aufenthalts öffentlich zugänglich bleibt.
NETZWERK UND SICHTBARKEIT
• Netzwerk aus Medienkünstler*innen, Kurator*innen und Fachleuten sowie anderen Stipendiat*innen
• öffentliche Abschlussveranstaltung im November 2026 sowie kleinere öffentliche Online-Veranstaltungen und Diskussionen
WAS WIRD ERWARTET?
Während der 12-wöchigen Residenz (August-Oktober) wird von den Künstler*innen erwartet:
• Teilnahme an regelmäßigen Online-Besprechungen mit dem Betreuungsteam sowie an Tandem-Treffen mit Künstler*innen aus dem kaethe:k
• Teilnahme an vier internen Kolloquien des kaethe:k und an ein bis zwei Kolloquien des Künstler*dorf Schöppingen
• Mitarbeit an der Programmdokumentation und -archivierung
WIE KANN ICH MICH BEWERBEN?
Du kannst dich vom 18. Mai bis zum 27. Juni 2026 bewerben.
Deine Bewerbung sollte Folgendes enthalten:
• Persönliche Angaben: Name, Wohnort, E-Mail-Adresse und gegebenenfalls Online-Präsenz (Website, Instagram usw.)
• Projektbeschreibung: Beschreibe dein geplantes Medienkunstprojekt, dessen Bezug zu „Modes of Access“, deinen Ansatz sowie deine Erfahrungen mit kollaborativem und/oder digitalem Arbeiten und das Ausgabeformat; maximal 1 Seite
• Zeitplan: Geplanter Arbeitsschwerpunkt und Struktur der 12 Wochen, einschließlich etwaiger Pausen oder Zeiten, in denen Sie nicht verfügbar sind, max. 1 Seite
• Bisherige Arbeiten: Dokumentation relevanter Projekte mit Schwerpunkt Medienkunst, max. 5 Seiten (optional)
• Access Rider: ein Dokument, in dem du deine Arbeits- und Zugangsbedürfnisse darlegst – zum Beispiel bevorzugte Kommunikationskanäle, Pausenstrukturen, technische Anforderungen oder Flexibilität bei der Terminplanung. So können wir die Zusammenarbeit von Anfang an auf deine tatsächlichen Bedürfnisse abstimmen. (optional)
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ORIENTIERUNGSFRAGEN
Dies sind Anregungen, keine Vorgaben. Beantwortet die Fragen, die für euch relevant sind.
• Inwiefern setzt sich deine künstlerische Praxis mit „Zugangsformen“, Barrierefreiheit, digitalen Medien oder inklusiven Formaten auseinander?
• Was sind die zentralen Methoden und Ausdrucksformen in deiner Arbeit?
• Welche Unterstützung benötigst du von den Partnerorganisationen, und was ist dir in dieser Beziehung wichtig?
• Wie stellst du dir die Struktur deines 12-wöchigen Aufenthalts vor, auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit in Tandems?
• Wie spielt „Crip Time“ – also die Art und Weise, wie Behinderung oder chronische Krankheit Ihre Beziehung zu Zeit und Arbeitsrhythmen prägt – in deiner Praxis eine Rolle?
• Inwiefern setzt sich deine Arbeit mit anderen Personen in deinem Umfeld auseinander oder unterstützt diese?
Für Rückfragen meldet euch gerne unter info(at)stiftung-kuenstlerdorf.de
ÜBER DIE ORGANISATIONEN
Künstler*dorf Schöppingen
Das Künstler*dorf Schöppingen bietet Künstler*innen, Komponist*innen, Schriftsteller*innen und anderen Kulturschaffenden einen Raum für konzentriertes Arbeiten, Austausch und gezielte Vernetzung. Seit 2024 lädt es in Zusammenarbeit mit dem kaethe:k Kunsthaus Künstler*innen mit Behinderungen zu Präsenzresidenzen ein. Die Digital Residencies sind ein neues, ab 2026 stattfindendes jährliches Format, das Künstler*innen unterstützen soll, die digitale Räume als primären Arbeitsraum nutzen.
www.kuenstlerdorf.de
kaethe:k Kunsthaus
Das kaethe:k Kunsthaus verbindet künstlerische Exzellenz mit struktureller Inklusion. Mit Sitz in Pulheim-Brauweiler bietet es Künstler*innen mit Behinderungen ein professionelles Atelierumfeld und fördert ihre Karrieren durch eine Künstleragentur, ein Bildungsprogramm und ein umfangreiches Netzwerk. Durch Veranstaltungen, Projekte und Kooperationen setzt sich das kaethe:k dafür ein, die Sichtbarkeit und institutionelle Präsenz von Kulturschaffenden mit Behinderungen im Kunstbereich zu stärken.
www.kaethek.de
Das Projekt wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Programm Mendienfonds des medienwerk.nrw

