Evgenija Wassilew arbeitet mit experimenteller Zeichnung und Klang und erforscht verschiedene Dynamiken des Hörens. Parallel zu ihren Audioaufnahmen von Stimmen, Radiosignalen und akustischen Feedbacks erforscht sie erweiterte Formen der Handschrift, Klangnotation und textbasierten Collage. Sie beschreibt ihre Praxis des Zeichnens, Aufzeichnens und Zuhörens als eine Art des Denkens und als Übersetzung der verkörperten Erfahrung von fluktuierender Information, Empathie und Störung. Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen, Performancefestivals und Künstlerresidenzen gezeigt — u. a. Marrakech Biennale (2014), Braunschweig Projects (2016), Berlinische Galerie (2018), Museum Ulm (2019), Seanaps Festival, Leipzig (2020), Galeria Promocyjna, Warschau (2023) und Kunstpreis Haus am Kleistpark, Berlin (2024).
„Während meines Aufenthalts wurde mir viel von der historischen und gegenwärtigen Nutzung des Schöppinger Berges als Radar- und Funkstandort erzählt. Dank der Offenheit des lokalen Amateurfunkvereins Contest Gruppe Schöppinger Berg e.V. (CGSB) hatte ich die Gelegenheit, deren selbstgebaute Antennen zu besichtigen und zu beobachten, wie die Natur die Technik einnimmt und dabei Zeit und Raum, Vergangenes und Gegenwärtiges miteinander verwebt. Neben meiner täglichen Studioarbeit – in der ich Klänge und Geräusche mit Tinte auf Papier, Monotypie und Handzeichnung transkribierte – experimentierte ich auf dem Berg mit verschiedenen Sounds in situ: ich stimmte meine tragbaren Feedback Instrumente auf abgebaute, liegende Antennen ein, spielte ihnen Sinuswellen zu, konnte Spuren von Funksignalen empfangen und installierte sowie dokumentierte weitere Geräusche vor Ort. Am Ende meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, die Antennen der CGSB zu nutzen, um Passagen aus Büchern als poetische Einmischung in das Amateurfunk-Spektrum zu senden. Die Teilnahme an den Open Studios war zudem eine Möglichkeit, die laufenden Forschungen und Fragen mit Fellows und Besucher*innen zu diskutieren – wie kann Empfangen, Zuhören und Verstehen in unruhigen Zeiten möglich bleiben?“