Younes Zarhoni ist ein (Sound) Künstler. Er hat sein persönliches Klanguniversum in polyphone Vokalinstallationen, elektronische Kompositionen, Tanzmusik und Feldaufnahmen umgesetzt. Seine Bildsprache ist geprägt von seiner Faszination für mittelalterliche Mystik, Botanik, Nachtclubkultur und politische Geschichtsschreibung. Zarhonis Arbeit verknüpft Elemente der zeitgenössischen Folklore und der Geschichte der maghrebinischen Diaspora. Ausgehend von diesen Assoziationen zerlegt er Erzählungen und Mythen, um sie visuell, akustisch, poetisch und intuitiv neu zu konstruieren. Younes Zarhoni wurde in Antwerpen als Sohn marokkanischer Eltern geboren und lebt derzeit in Brüssel. Er hat seine Arbeiten auf verschiedenen europäischen Festivals und in verschiedenen Institutionen präsentiert und war Artist in Residence bei The Mothership, STUK Leuven und Villa Empain, Boghossian Foundation. Er hat Platten bei den belgischen Labels KRAAK und Lexidisque veröffentlicht. Im Jahr 2026 wird er Artist in Residence an der Jan van Eyck Academie sein.
„Mein Projekt untersucht die kulturellen Bruchlinien, die nach dem 11. September entstanden sind, den Aufstieg mediengewandter Populisten, die Veränderungen der 1990er Jahre und die Dynamik von Subkulturen, Migration und Religionswechsel – Themen, die bis heute aktuell sind. Es basiert auf einer Reihe monochromer A4-Bleistiftzeichnungen mit den Titeln „Der Gelehrte“, „Der Seher“, „Der Raver“ und „Die Stimme“. Die Zeichnungen geben assoziative Fragmente von Erinnerungen, Notizen und Gesprächen mit vier unterschiedlichen Personen wieder. Ein strenges Raster (5×5 cm und 5×10 cm) strukturiert die Beobachtungen ohne Chronologie und schafft einen bürokratischen, objektiven Rahmen. Durch dieses System werden die persönlichen Erfahrungen, Träume und inneren Landschaften der Personen dokumentiert. Das Werk bildet ein konzeptuelles Netzwerk, in dem Erinnerung, Politik und Symbolik sich überschneiden.“